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Skitourenwoche 2010 Drucken E-Mail
Geschrieben von Verena Coradi   
26.04.2010

Skitourenwoche 21. bis 27. März 2010 im „Gauligebiet“


Auf dem Weg Richtung Grimsel stiegen in Brienzwiler Geru, Housi und seine Frau Vreni als Letzte in den VW-Bus von Toggi. In der Handegg konnte der Bus nicht stehen gelassen werden, daher musste Vreni  ihn wieder hinunter nehmen und bei einem Freund von Housi für die Woche parkieren. Dieser wird uns dann am Schluss der Tour wieder mit dem Toggi-Bus abholen, wo auch immer wir hinunter kommen.

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Rasch wurden die Rucksäcke gepackt. Mit der Luftseilbahn konnten wir zum Rätrichsboden 1720 m fahren. Das Wetter war trüb; es regnete und windete. Toggi war sehr skeptisch, ob  bei diesen Bedingungen überhaupt zur Bächlitalhütte 2328 m aufgestiegen werden kann. Wir konnten Nassschneerutsche beobachten und stiegen vorsichtig, in sicherem Abstand zueinander hoch. Erleichtert erreichten wir den Bächlisboden. Unterhalb der Hütte mussten wir nochmals mit 10 m Abstand zur Hütte aufsteigen. Urs war sehr erleichtert als wir die tief verschneite Hütte erreichten.

Am frühen Morgen machten wir uns auf dem Weg Richtung Oberi Bächlilücke 3074 m. Die Sonne schien und insbesondere Hugo und ich waren gespannt auf den Übergang. Vor 30 Jahren waren wir vom SCO schon mal in diesem Gebiet auf der Skitourenwoche. Die neueren Berichte und Fotos zeigen die Lücke ganz anders als wir sie damals erlebten. Wir staunten dann nicht schlecht, als wir vor drei Eisenleitern standen. Damals waren wir noch mit den Skiern bis zum Grat aufgestiegen. Der Abstieg auf der anderen Seite war klettersteigartig gesichert. Wir konnten uns mit dem Karabiner an Kletten sichern. So ging der Abstieg ziemlich problemlos. Nun folgte eine traumhafte Pulverschneeabfahrt bis hinunter zum zugefrorenen See des Gauligletschers. Hier konnten wir gemütlich Siesta halten. Es gab nochmals einen kleinen Aufstieg und eine mühsame Abfahrt im Frühlingsschnee bis zum Punkt wo nochmals 200 m zur Gaulihütte 2205 m aufgestiegen werden musste, auch hier musste wieder Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Tagwach war sehr früh und um 6.30 Uhr Abmarsch Richtung Hubelhorn 3244 m. Da die Gletscher in diesem Gebiet sehr schlecht eingeschneit waren, mussten wir auf dem Gletscher angeseilt aufsteigen. Die Stille beim Aufstieg wurde durch einen Militärheli getrübt. Ich denke der Pilot konnte Gedanken lesen und versuchte deshalb nicht auf dem Gletscher zu laden. Also hatten wir dem Berg wieder für uns. Die Aussicht war toll und noch toller war die Abfahrt über den Gletscher.

Der Aufbruch zum Ankebälli 3605 m war noch bei Dunkelheit. Auf dem Gauligletscher erstrahlten schon die ersten Sonnenstrahlen. Wir kamen recht gut voran und wurden auf dem Gipfel mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Die Abfahrt war wiederum einfach toll. Kurz bevor wir den Gauligletscher erreichten meinte Toggi, dass auf der langen Geraden „gleiten“ angesagt sei. Toggi nahm gleich Gerhard, Toni und Herbert mit. Housi war auch schön schnell unterwegs als er stürzte. Kaum stand Housi stürzte Hugo. Aber schon bald stand auch Hugo wieder auf dem Skiern, sein Daumen und Nacken schmerzten. Geru und ich glauben heute fest daran, dass die Beiden entweder wegen einer Schraube der DAKOTA (Flugzeug, dass 1946 auf den Gletscher abstürzte und noch heute unter dem Eis liegt) oder vielleicht sogar auf einer alten Oelspur des Fliegers zu Fall gekommen waren oder war vielleicht das Gauliwiib (Sage von einer Sennerin, die unfreiwillig in dieser Gegend lebte) schuld an den Stürzen.

In der Nacht war ein heftiger Wind aufgekommen. Dennoch entschieden wir uns im Föhnsturm das Ränfenhorn 3259 m zu besteigen. Hugo wollte sich von seinem Sturz erholen und blieb in der Hütte. Der Wind war zeitweise so heftig, dass wir fast das Gefühl hatten, vom Wind weggeblasen zu werden. Auf dem Gipfel hielten wir es nicht lange aus. Es war sehr kalt und windig. Die Abfahrt war wegen des Windes nicht genussvoll. Zurück in der Hütte erfuhren wir, dass Hugo Gelegenheit hatte, mit dem Transportheli ins Tal zu fliegen.

Nach einer sehr stürmischen Nacht entschlossen wir uns über die obere Bächlilücke zurück zur Bächlihütte zu gelangen. Beim Aufbruch windete es heftig. Das Wetter und die Sicht wurden immer schlechter. Urs führte uns zielsicher zu den Eisenketten, wo die Skier wieder auf den Rucksack geschnallt wurden. Auf dem Grat änderte sich das Wetter schlagartig. Der Föhn liess nach, dafür Schneefall und Nebel. Auf dem Bächligletscher konnten wir nichts sehen. Urs, Housi und Geru rutschten am gestreckten Seil den ganzen Gletscher hinunter. Der Rest der Gruppe in sicherem Abstanden hintenher. Hier zeigte sich, dass Urs über eine grosse Erfahrung verfügt, ohne die wir nicht heil die Hütte erreicht hätten.

Am Samstagmorgen verliessen wir die Hütte bei schönstem Sonnenschein und einer wunderschönen Pulverschneeabfahrt bis auf die Ebene hinunter. Glücklich schauten wir zurück zur Hütte  und unseren schönen Spuren. Der Blick Richtung Grimsel zeigte aufkommenden Nebel und Wind. 400 Höhenmeter mussten wir noch hinunter und wieder war das grosse Wissen und die Erfahrung von Urs gefragt. Glücklich erreichten wir den Rätrichsboden. Wir alle wussten, wie heikel diese Abfahrt gewesen war. Dementsprechend dankbar waren wir, als wir in der Handegg wohlbehalten ins Büssli einsteigen konnten. Der Freund von Housi lud uns noch zu einem Znüni bei sich Zuhause ein. Der Kaffee und die Gumpeselwurst taten uns gut vor der Heimreise.

Herzlichen Dank Urs für die sichere Führung bei so anspruchsvollen Bedingungen. Housi Kämpf und Geru Zurbuchen waren seine Assistenten und gaben uns, Gerhard Witzig, Herbert Zurbuchen, Hugo Zürcher, Toni Hiestand und mir ein sicheres Gefühl. Ich möchte allen Teilnehmern danken für die tolle Kameradschaft.

Hugo wünschen wir von Herzen gute Besserung.


Vreni Coradi

 

 

Letzte Aktualisierung ( 17.08.2010 )
 
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